Zwischen “Morgen kommt der Weihnachtsmann” und “Freue dich, Christkind kommt bald” kann man sich schonmal fragen, was es eigentlich mit den beiden unterschiedlichen Charakteren auf sich hat. Fakt ist, dass beide an Weihnachten christliche Haushalte besuchen und deren Kinder beschenken. Aber wo kommt das Christkind und wo kommt der Weihnachtsmann und warum gibt es überhaupt diese unterschiedlichen Charaktere?
Bevor es Christkind oder Weihnachtsmann gab, gab es den Nikolaus. Auf ihn geht der Brauch zurück, sich zur Weihnachtszeit überhaupt zu beschenken. Nikolaus von Myra war ein Bischof, der im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei lebte. Er soll sich besonders um Kranke, Arme und Kinder gekümmert und ihnen heimlich Gaben gebracht haben.
Am bekanntesten ist die Geschichte von drei mittellosen Schwestern, denen Nikolaus der Überlieferung nach nachts heimlich Gold ins Haus legte, damit sie heiraten konnten und nicht in Not gerieten. Aus dieser Legende formte sich der Brauch, am Todestag des Heiligen, dem 6. Dezember, Kindern kleine Geschenke zu machen. Zunächst waren das nur Äpfel, Nüsse und Gebäck, die nachts in Schuhe oder Strümpfe gelegt wurden. Bis heute wird der Nikolaustag am 6. Dezember gefeiert, inzwischen aber eher als Vorfreude auf den Heiligen Abend und nicht mehr als großes Hauptereignis der Weihnacht.
Dort wo ich herkomme, haben sich Weihnachtsmann und Christkind bereits angefreundet. Im näheren Umkreis gibt es jährlich Christkindlesmärkte und Zuhause kommt trotzdem der Weihnachtsmann durch den Kamin.
Doch das ist in weiten Teilen Deutschlands noch anders. In Süd- und Westdeutschland ist das besonders deutlich zu sehen. Natürlich gibt es zum Beispiel in Bayern auch den Weihnachtsmann und doch ist dort das Christkind am stärksten vertreten. Bekanntestes Beispiel dafür ist wohl der Nürnberger Christkindlesmarkt.
Martin Luther und die Erfindung des Christkinds
Die heutige Ausbreitung des Christkindes, nämlich in vornehmlich katholischen Regionen, ist schon ironisch, wenn man bedenkt, welchen Ursprung diese Figur hat. Denn erfunden wurde das Christkind laut Wikipedia von niemand geringerem als Martin Luther.
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Da im 16. Jahrhundert noch der heilige Nikolaus den Platz des Weihnachtsmannes ausfüllte, suchte Luther ihn durch das Christkind zu ersetzen. Problematisch am Nikolaus war laut Luther die Verehrung von anderen Heiligen als Christus. Angemessener fand Luther die Verkörperung von Jesus selbst in Säuglingsform.
Diese Idee wurde in den folgenden Jahrhunderten von Protestanten begrüßt und erweitert. Endprodukt dieser Entwicklung war der Glaube an ein Christkind mit goldenen Locken, das jährlich zu Weihnachten auf die Erde hinabsteigt, wo es die Kinder Gottes beschenkt.
Wie sieht das Christkind eigentlich aus?
Anders als der Weihnachtsmann zeigt sich das Christkind den Kindern nie direkt. Es bringt die Geschenke heimlich und ist verschwunden, bevor jemand es zu Gesicht bekommt. Gerade deshalb sind die Vorstellungen davon, wie es aussieht, so vielfältig. In den meisten Köpfen hat sich das Bild eines engelsgleichen Wesens festgesetzt: ein lichtes Geschöpf mit goldenen Locken, weißem Gewand und Flügeln, das Reinheit und Kindlichkeit ausstrahlt.
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Damit zusammen hängt eine häufige Frage: Ist das Christkind dasselbe wie Jesus? Ganz genau ist es das nicht. Das Christkind ist an die Geburt von Jesus angelehnt und trägt seinen Namen aus diesem Grund, hat sich über die Jahrhunderte aber zu einer eigenständigen, engelhaften Gabenbringer-Figur entwickelt. Weil es an Jesu Geburt erinnert, bringt es die Geschenke auch nicht am 6. Dezember wie der Nikolaus, sondern am Heiligen Abend, dem 24. Dezember.
Weihnachtsmann und Christkind im 20. Jahrhundert
Doch damit endet die Geschichte des Christkindes nicht. Denn im Laufe des 20. Jahrhunderts, als Religion stark an Bedeutung verlor, begannen die Grenzen zwischen dem katholischen Weihnachtsmann und dem protestantischen Christkind zu verschwimmen. Sie verschwammen so sehr, dass die Figuren ihre konfessionelle Verbindung verloren und das Christkind teilweise in katholischen Regionen beliebter wurde als in protestantischen.
Wer war eigentlich zuerst da?
Wenn man die drei Gabenbringer der Reihe nach ordnet, ist die Antwort eindeutig. Am ältesten ist der heilige Nikolaus, der schon seit dem Mittelalter am 6. Dezember die Kinder beschenkte. Deutlich jünger ist das Christkind, das im 16. Jahrhundert aus der Reformation hervorging. Der Weihnachtsmann schließlich ist die jüngste der drei Figuren und kam erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts dazu.
Spannend ist, dass die Verteilung früher genau umgekehrt war: Lange galt das Christkind als die protestantische Figur, während in katholischen Gegenden weiterhin der Nikolaus die Geschenke brachte. Erst als sich im 19. Jahrhundert der Weihnachtsmann unter den Protestanten durchsetzte, wanderte das Christkind gewissermaßen in die katholischen Regionen Süd- und Westdeutschlands ab, wo es bis heute am stärksten verwurzelt ist. So entstand die heutige, auf den ersten Blick widersprüchliche Aufteilung.
Wo wird es in der Zukunft hingehen?
Neben konfessionellen Veränderungen hat das Christkind auch auf einer anderen Ebene Veränderungen erfahren. Das 20. Jahrhundert sah nämlich auch den kommerziellen Aufstieg des Weihnachtsmannes. Der freundliche und etwas rundliche alte Mann war im Kontext einer modernen Konsumgesellschaft ein besserer Kandidat. Das Christkind dagegen steht heute eher für christlichen Kitsch und steht im Schatten des Weihnachtsmannes.
Wie der Weihnachtsmann sein rot-weißes Gewand bekam
Dass wir uns den Weihnachtsmann heute als gemütlichen, runden Mann mit weißem Rauschebart, Zipfelmütze und rot-weißem Mantel vorstellen, ist erstaunlich jung. Auch er stammt von der Figur des Nikolaus ab und verschmolz mit Begleitern wie Knecht Ruprecht und dem Krampus. Lange war er allerdings keine freundliche Erscheinung, sondern eher eine strenge Gestalt, die Kinder ermahnen und erziehen sollte.
Sein heutiges, durchweg freundliches Aussehen verdankt der Weihnachtsmann nicht zuletzt der Werbung. Im 20. Jahrhundert prägte unter anderem der Getränkehersteller Coca-Cola das Bild des gutmütigen alten Mannes im rot-weißen Mantel und verbreitete es über große Kampagnen weltweit. Die Vorstellung vom strengen Weihnachtsmann im Pelz wich so dem netten, herzlichen Rauschebart, den wir heute kennen.
Die Zukunft des heiligen Säuglings ist ungewiss. Die Bedeutung des Weihnachtsmannes wird er wohl nicht mehr anfechten, aber verschwinden wird er wohl auch nicht. Schließlich wird er in zahlreichen Weihnachtsliedern besungen und der Nürnberger Christkindlesmarkt wird sein Maskottchen nicht so schnell vergessen. Besonders stark christliche Haushalte, ob katholisch oder protestantisch, werden die Tradition des kleinen Heilsbringers wohl noch für viele Jahre pflegen.
Entweder oder?
Ist Deutschland nun gespalten wie es unter anderem Ina Mersch von der ARD versteht? Ich denke nicht.
Der Bedeutungswandel des Christkindes zeigt alles andere als eine Spaltung der Nation, wenn überhaupt beweist er das Gegenteil: einen regen Austausch zwischen den unterschiedlichen Haushalten und christlichen Konfessionen Deutschlands. Aus diesem Grund ist es auch ziemlich egal, ob nun an Weihnachten der Weihnachtsmann, das Christkind oder gar beide erscheinen.
Was am Ende zählt ist, dass unsere Kinder, die in ihren Weihnachtspullis sehnsüchtig auf ihre Geschenke warten, glücklich sind. Das geht mit
dem Christkind in Bayern,
dem Weihnachtsmann in Berlin
oder beiden in Baden-Württemberg.
Zum Weihnachtsfest sind sie alle willkommen! Sogar Väterchen Frost...
Christkind – kurz zusammengefasst
Martin Luther erfand im 16. Jahrhundert das Christkind als Ersatz für Nikolaus.
Das Christkind ist heute besonders in Süd- und Westdeutschland verbreitet.
Im 20. Jahrhundert verloren Christkind und Weihnachtsmann ihre konfessionelle Verbindung.
Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist das bekannteste Beispiel für Christkind-Tradition.
Das Christkind wird als Säugling mit goldenen Locken dargestellt.
Häufige Fragen zu Christkind: Bedeutung, Herkunft und Unterschied zum Weihnachtsmann
Das Christkind ist eine Figur mit goldenen Locken, die als Verkörperung von Jesus in Säuglingsform gilt. Laut dem Glauben steigt es jährlich zu Weihnachten auf die Erde hinab und beschenkt die Kinder in christlichen Haushalten. Heute ist das Christkind besonders in Süd- und Westdeutschland verbreitet, vor allem in Bayern.
Das Christkind wurde im 16. Jahrhundert von Martin Luther erfunden, um den heiligen Nikolaus zu ersetzen. Ursprünglich war es eine protestantische Figur, doch im 20. Jahrhundert verlor das Christkind seine konfessionelle Verbindung. Heute ist es ironischerweise in katholischen Regionen wie Bayern beliebter als in protestantischen Gebieten.
Das hängt vor allem von der Region ab. Das Christkind bringt traditionell in Süd- und Westdeutschland sowie in Österreich, Teilen der Schweiz und in katholisch geprägten Familien die Geschenke. Der Weihnachtsmann ist dagegen eher im Norden, Osten und in der Mitte Deutschlands sowie in protestantisch geprägten Gegenden zu Hause. Heute ist diese Aufteilung allerdings stark durchmischt, und in vielen Familien kommen sogar beide.
Das Christkind ist älter als der Weihnachtsmann. Es entstand im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation, als Martin Luther den heiligen Nikolaus durch eine an Jesus angelehnte Figur ersetzen wollte. Der Weihnachtsmann kam erst im 18. und 19. Jahrhundert dazu und ist damit die jüngste der drei Gabenbringer-Figuren. Noch älter als beide ist der heilige Nikolaus, der schon seit dem Mittelalter am 6. Dezember Geschenke brachte.
Am Heiligen Abend, dem 24. Dezember, bringt je nach Region und Familientradition entweder das Christkind oder der Weihnachtsmann die Geschenke. Beide bescheren am selben Abend, denn das Datum ist an die Geburt von Jesus angelehnt. Nicht zu verwechseln ist das mit dem Nikolaus, der bereits am 6. Dezember kommt und kleine Gaben in Schuhe oder Strümpfe legt.