Bist du einer dieser Menschen, die sie an Weihnachten am liebsten in ihrem riesengroßen, hässlichen Weihnachtspullover verkriechen und einfach mal nichts tun wollen? Überfordern dich auch die unglaublich komplizierten Weihnachtsrezepte und der Slalom, den du laufen musst, um alle Essgewohnheiten deiner Familie zu berücksichtigen? Würdest du es nicht am liebsten simpel und doch traditionell weihnachtlich halten? Dann ist das Neunerlei genau das Richtige für dich.
Das Neunerlei ist eine dieser generationenalten Weihnachtstraditionen Deutschlands. Und doch gibt es sie trotz ihrer vielen Vorzüge nur in ein paar wenigen sächsischen Landkreisen. Doch dort, nämlich im Erzgebirge, dem Vogtland und im Egerland, ist das Neunerlei nicht mehr aus den Feierlichkeiten der Geburt Christi wegzudenken.
Seinen Ursprung kennt, wie es für Weihnachtstraditionen üblich zu sein scheint, niemand so recht. Doch besungen wird der sächsische Geheimtipp schon seit dem späten 18. Jahrhundert.
Wann wird das Neunerlei gegessen?
Aufgetischt wird das Neunerlei klassischerweise am Heiligabend, dem 24. Dezember. In manchen Familien kommt es auch an den Feiertagen davor oder danach auf den Tisch, doch sein eigentlicher Platz ist der Abend des 24. In der Mundart des Erzgebirges heißt das Gericht übrigens „Neinerlaa", und unter diesem Namen findest du es bis heute auf den Speisekarten der Gasthäuser zwischen Annaberg-Buchholz und Seiffen.
Die Zahl Neun ist beim Neunerlei kein Zufall. Sie ist durch Drei teilbar, und die Drei gilt seit jeher als Glückszahl. Neun Speisen sollen damit gleich dreifaches Glück ins Haus bringen. Diese kleine Zahlensymbolik erklärt, warum es eben nicht acht oder zehn Bestandteile sein dürfen, sondern immer genau neun auf den Teller kommen.
Die neun Zutaten des Neunerlei
Bei Neunerlei handelt es sich, um eine unorthodoxe Herangehensweise an das Weihnachtsessen. Wie der Name schon verrät, werden hierbei neunerlei Gerichte serviert. Dabei handelt es sich aber weniger um vollwertige Gerichte als um einzelne Zutaten, die gemeinsam ein Gericht, das Neunerlei, ergeben.
Traditionell werden laut Wikipedia folgende Zutaten verwendet:
Bratwurst
Sauerkraut
Linsen
Klöße
Gans oder Vergleichbares
Kompott
Semmelmilch
Nüsse
Pilze
Dabei steht jede dieser Zutaten für Wünsche für das kommende Jahr. Zum Beispiel stehen die Klöße für das „große" Geld, das man im neuen Jahr (hoffentlich) verdienen wird.
Gemütlich am Festtagstisch
Mumins Weihnachtspyjama Familie
Wenn das Essen so entspannt ist wie das Neunerlei, darf auch der Dresscode bequem bleiben. Ein gemütlicher Familienpyjama macht aus dem Festtagsessen einen kuscheligen Abend, an dem sich alle wohlfühlen.
Das Schöne am Neunerlei ist, dass jeder einzelne Bestandteil eine eigene Bedeutung trägt. Die Erzgebirger essen also nicht einfach neun Speisen, sondern neun gute Wünsche für das kommende Jahr. Die geläufigsten Deutungen sehen so aus:
Klöße bringen das große Geld. Wichtig: Man soll sie nicht zählen, sonst geht der Zauber verloren.
Linsen, Erbsen oder Hirse sorgen dafür, dass das Kleingeld im Haus nicht ausgeht.
Bratwurst und Fleisch stehen für Kraft, ein langes Leben und ganz allgemein für Glück.
Gänsebraten verheißt Wohlstand und reichlich Nahrung.
Sauerkraut bringt eine gute Ernte und gutes Stroh.
Sellerie steht für Fruchtbarkeit und Potenz.
Rote Bete sorgt für rote Wangen, also für Schönheit.
Semmelmilch verspricht ein gutes Jahr und soll davor bewahren, sich zu erkälten.
Ein Bratapfel oder eine Holundersuppe hilft der Gesundheit auf die Sprünge.
Heringssalat bringt Geld ins Haus.
Kartoffelsalat steht für die Sparsamkeit.
Welche dieser Speisen am Ende auf dem Teller landen, ist von Familie zu Familie verschieden. Verbindende Elemente sind aber fast überall die Linsen und die Klöße, denn auf das kleine und das große Geld möchte im neuen Jahr niemand verzichten.
Bräuche rund um den Neunerlei-Tisch
Rund um das Neunerlei haben sich über die Generationen einige hübsche Bräuche erhalten, die das Essen erst richtig zur Tradition machen:
Münzen unter dem Teller: Wer ein paar Münzen unter die Teller legt, dem soll das Kleingeld im neuen Jahr nicht ausgehen.
Ein Gedeck zu viel: Mancherorts wird ein zusätzliches Gedeck aufgelegt, für einen unerwarteten Gast, der vielleicht noch an die Tür klopft.
Brot und Salz: Beides muss auf dem Tisch stehen, damit im nächsten Jahr von beidem genug im Haus ist.
Nicht abwaschen: Das schmutzige Geschirr bleibt an diesem Abend traditionell stehen und wird erst am nächsten Tag gespült.
Kein festes Rezept: die Zutaten variieren
Die Zutaten des Neunerlei sind allerdings nicht in Stein gemeißelt. Denn das Besondere am Neunerlei ist, dass man zusammenstellen, worauf man gerade Lust hat.
Zwar sind die meisten Zutaten auf den meisten Tellern vertreten. Doch werden von Restaurants und Privatleuten Pilze, Nüsse, Semmelmilch und Kompott gerne auch einmal gegen andere Zutaten wie rote Rüben, Bratapfel, Fisch oder Sellerie eingetauscht. Da es kein festes Rezept gibt, endet die Liste der alternativen Zutaten für das Neunerlei hier noch lange nicht.
Neunerlei-Rezepte zum Nachkochen
Damit du an Heiligabend nicht lange suchen musst, haben wir die wichtigsten Bestandteile als einfache Rezepte zusammengestellt. Das Praktische: Alle Komponenten lassen sich parallel zubereiten, und du kannst dir aussuchen, welche neun davon es bei dir auf den Tisch schaffen. Die folgenden Mengen reichen für etwa sechs Personen.
Semmelmilch
Die Semmelmilch ist der süße, beruhigende Klassiker auf dem Neunerlei-Teller. Du brauchst rund einen Liter Milch, sechs altbackene Semmeln (Weißmehlbrötchen) sowie Zucker und Zimt nach Geschmack. Wer mag, gibt noch eine Handvoll gehackte Haselnüsse oder Mandelsplitter dazu. Schneide die Semmeln in kleine Würfel, verrühre die Milch mit Zucker und Zimt und lass die Würfel darin einweichen. Anschließend die Nüsse unterheben. Servieren kannst du die Semmelmilch warm oder kalt.
Linsen
Die Linsen stehen fürs Kleingeld und dürfen deshalb fast nie fehlen. Weiche 500 g Linsen am Vorabend in Wasser ein. Am nächsten Tag setzt du sie zusammen mit etwas Suppengemüse (Sellerie, Möhre, Lauch), einer Zwiebel und ein bis zwei Lorbeerblättern in Brühe an und lässt alles rund eine Stunde sanft köcheln. Zum Schluss mit etwas Essig, einer Prise Zucker, Salz und Pfeffer süß-sauer abschmecken. Ein paar knusprig ausgelassene Speckwürfel machen das Linsengericht herzhafter.
Klöße
Klöße bringen das große Geld und sind das Herzstück vieler Neunerlei-Teller. Koche 1 kg mehlig kochende Kartoffeln, drücke sie durch eine Presse und verarbeite sie mit einem Ei, etwa 250 g Mehl, Salz und Muskat zu einem geschmeidigen Teig. Forme kleine, glatte Klöße ohne Risse und lass sie in siedendem (nicht sprudelnd kochendem) Salzwasser etwa 20 Minuten gar ziehen. Tipp aus dem Erzgebirge: Wer mag, drückt zwei in Butter geröstete Weißbrotwürfel in die Mitte jedes Kloßes.
Sauerkraut
Das Sauerkraut steht für eine gute Ernte. Schwitze eine gewürfelte Zwiebel in etwas Öl an, gib 400 bis 500 g Sauerkraut sowie eine geriebene Möhre dazu und würze mit Salz, Pfeffer und einer Prise Kümmel. Bei kleiner Hitze rund eine halbe Stunde köcheln lassen, bei Bedarf etwas Wasser oder Sauerkrautbrühe nachgießen. Eine fein geriebene rohe Kartoffel bindet das Kraut am Ende auf natürliche Weise.
Selleriesalat
Der Sellerie steht für Fruchtbarkeit und gibt dem Teller eine frische, säuerliche Note. Schäle eine Knolle Sellerie, hoble sie in feine Streifen und blanchiere sie fünf bis acht Minuten bissfest. Vermische den abgekühlten Sellerie mit fein gewürfelter Zwiebel und einem geschälten, gewürfelten Apfel. Mit Weißweinessig, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker süß-sauer abschmecken und durchziehen lassen.
Bratapfel
Der Bratapfel verheißt Gesundheit und ist die süße Krönung des Neunerlei. Entferne das Kerngehäuse von sechs Äpfeln. Verknete eine zerbröselte Scheibe Christstollen mit etwas Rosinen, Mandelsplittern und einem Schuss Apfelsaft zu einer Masse und fülle damit die Äpfel. Bei 200 Grad rund 10 bis 15 Minuten backen und mit Vanillesoße servieren.
Der Hering: Geld ins Haus
In vielen Familien gehört auch ein Heringssalat dazu, der Geld ins Haus bringen soll. Schneide dafür Matjesfilets in mundgerechte Stücke und mische sie mit fein gewürfelten Zwiebeln und Gewürzgurken. Mit etwas Essig, Senf, Pfeffer und Thymian würzen und zwei bis drei Stunden durchziehen lassen. Wer keinen rohen Hering mag, ersetzt ihn problemlos durch einen klassischen Kartoffelsalat, der für die Sparsamkeit steht.
Warum das Neunerlei das perfekte Weihnachtsgericht ist
Vielleicht erahnst du schon, worauf ich hinauswill. Das Neunerlei ist dein perfektes Weihnachtsessen, weil es Tradition, Flexibilität und Einfachheit vereint.
Tradition, die Kindheitserinnerungen weckt
Das Neunerlei ist eine gestandene deutsche Tradition, die sich auf traditionelle weihnachtliche Zutaten beruft. So sind, selbst wenn das Neunerlei selbst dir neu ist, jede Menge Erinnerungen an deine Kindheit vorprogrammiert.
Flexibilität für jede Essgewohnheit
Die Flexibilität des Neunerlei ist unerschöpflich. Ist jemand aus deiner Familie Vegetarier? Oder Veganer? Ersetze die tierischen Bestandteile einfach mit Gemüse wie etwa Möhren und Möhren oder bereite ihnen vegane Fleischalternativen wie Tofu und veganer Wurst zu.
Jemand mag kein Sauerkraut? Dann bekommt er eben rote Rüben.
Während du bei vielen anderen Gerichten aufpassen musst, ob auch jeder von der Soße essen kann und jeden Bestanteil des Gerichts verträgt, hast du hier keinerlei Schwierigkeiten bei der Vorbereitung. Schließlich kann sich jeder selbst die einzelnen Bestandteile heraussuchen, die er/sie essen möchte, da es ja sowieso getrennt serviert wird.
Das Neunerlei war ursprünglich fleischlos
Wer es noch einfacher und günstiger mag, orientiert sich an der historischen Form des Neunerlei. Ursprünglich wurde am Heiligabend nämlich ganz bewusst bescheiden gegessen. Fleisch war auf vielen Tischen unüblich, Fisch nicht zwingend. Wichtig war nicht die Üppigkeit, sondern die Bedeutung der einzelnen Speisen. Bis heute halten viele Familien an einer reduzierten, fleischlosen Variante fest, die im Wesentlichen aus Kartoffeln oder kleinen Klößen, Linsen oder Erbsen, Sauerkraut, gedünsteten Pilzen sowie Apfelmus oder Kompott besteht. So lässt sich das Neunerlei mit überschaubaren Kosten von wenigen Euro pro Portion auf den Tisch bringen.
Einfachheit ohne komplizierte Rezepte
Letztlich ist das Neunerlei erfrischend simpel. Ohne komplizierte Rezepte kannst du befreit kochen, denn die meisten Zutaten bedürfen keiner aufwendigen Vorbereitung, allen voran das Gemüse. Durch das Neunerlei wird es zum Kinderspiel an Weihnachten auf Extrawünsche einzugehen, Stress zu vermeiden und dennoch durch den Duft eines traditionellen Weihnachtsessens in Weihnachtsstimmung zu kommen.
Was können wir vom Neunerlei lernen?
Am Ende liegt es an dir, ob du dieser Bergmann-Tradition aus dem erzgebirgischen Bergbauland auch in deinem Haushalt eine Chance geben willst. Doch finde ich, dass wir aus dem Konzept des Neunerlei einiges lernen können, ohne es direkt nachzustellen. Es zeigt uns nämlich, dass es an Weihnachten eben doch auch simpel geht.
Der alljährliche Weihnachtsstress
Jahr um Jahr stürzen wir uns kopfüber in den Weihnachtsstress und sehen keinen Weg drumherum. Spätestens ab dem 4. Advent ist endgültig Schluss mit der Ruhe.
Der Weihnachtsbaum muss her.
Die Dekoration muss aus dem Keller.
Und wo ist nochmal der Baumständer verstaut?
Und hat schon jemand das Fleisch bestellt?
Und die Plätzchen müssen auch noch gebacken werden.
Haben wir schon alle Geschenke?
Wie hieß nochmal Omas Gewürz für den Festtagsbraten?
Zu oft sind wir schon am Morgen des 24. Dezember ausgelaugt. Die Erschöpfung zehrt nicht nur an unserem Körper, sondern auch an unserer Laune und beeinflusst, wie wir die eigentlichen Weihnachtstage wahrnehmen. Mit dem Neunerlei wird zumindest das Weihnachtsessen berechenbarer, weniger chaotisch und ist auch ohne Stress zu bewältigen.
Worauf es an Weihnachten wirklich ankommt
Das Neunerlei gibt uns wieder einmal den wichtigen Impuls zu überdenken, was uns an Weihnachten wirklich wichtig ist. Es zeigt uns, dass wir wählen können, welche Bestandteile des Festes uns am besten gefallen und einfach die Dinge weglassen können, die uns so gar nicht schmecken. Frohes Fest!
Neunerlei – kurz zusammengefasst
Das Neunerlei ist ein traditionelles Weihnachtsessen aus dem Erzgebirge, Vogtland und Egerland.
Das Neunerlei besteht aus neun verschiedenen Zutaten, die gemeinsam serviert werden.
Traditionelle Zutaten sind Bratwurst, Sauerkraut, Linsen, Klöße, Gans, Kompott, Semmelmilch, Nüsse und Pilze.
Die Tradition des Neunerlei wird seit dem späten 18. Jahrhundert besungen.
Jede Zutat des Neunerlei symbolisiert Wünsche für das kommende Jahr.
Häufige Fragen zu Neunerlei: Das traditionelle Weihnachtsessen aus dem Erzgebirge
Zum traditionellen Neunerlei gehören laut Wikipedia neun Zutaten: Bratwurst, Sauerkraut, Linsen, Klöße, Gans oder Vergleichbares, Kompott, Semmelmilch, Nüsse und Pilze. Diese werden als einzelne Komponenten serviert und ergeben gemeinsam das Gericht. Jede Zutat steht dabei für Wünsche für das kommende Jahr, beispielsweise symbolisieren die Klöße das große Geld.
Das Neunerlei ist eine generationenalte Weihnachtstradition aus dem Erzgebirge, dem Vogtland und dem Egerland in Sachsen. Der genaue Ursprung ist unbekannt, aber die Tradition wird bereits seit dem späten 18. Jahrhundert besungen und ist in diesen Regionen nicht mehr aus den Weihnachtsfeierlichkeiten wegzudenken.
Die Zutaten des Neunerlei sind nicht festgelegt und können flexibel angepasst werden. Restaurants und Privatleute ersetzen häufig Pilze, Nüsse, Semmelmilch und Kompott durch andere Zutaten wie rote Rüben, Bratapfel, Fisch oder Sellerie. Diese Flexibilität ermöglicht es, auf verschiedene Essgewohnheiten wie vegetarische oder vegane Ernährung einzugehen.
Beim Neunerlei steht jede der neun Speisen symbolisch für einen Wunsch für das kommende Jahr. Klöße bringen das große Geld, Linsen das Kleingeld, Sauerkraut eine gute Ernte, Sellerie Fruchtbarkeit, Rote Bete Schönheit und der Bratapfel Gesundheit. Auch die Zahl Neun selbst hat Bedeutung: Sie ist durch Drei teilbar, und da die Drei als Glückszahl gilt, soll das Neunerlei dreifaches Glück bescheren.
Das Neunerlei wird traditionell am Heiligabend, dem 24. Dezember, aufgetischt. In manchen Familien des Erzgebirges und Vogtlands kommt es auch an den Tagen davor oder danach auf den Tisch, doch sein angestammter Platz ist der Abend des 24. Dezember.