Hängt an deinem Weihnachtsbaum auch eine Gewürzgurke? Natürlich keine echte, aber eine gläserne wie eine normale Christbaumkugel? Nein? Dann wird es schleunigst Zeit, dass du es änderst!
Wie es für unsere geliebten Weihnachtstraditionen üblich zu sein scheint, weiß niemand so genau, woher der Brauch mit der Gewürzgurke kommt. Ähnlich wie die Herkunft des Weihnachtsbaums oder die des Weihnachtsmannes wird die Herkunft der Gewürzgurke in vielen Versionen erzählt. Endgültig geklärt ist sie aber bis heute nicht.
Kommt die Weihnachtsgurke aus Deutschland?
Besonders kurios ist, dass der Brauch, der vor allem in den Vereinigten Staaten beliebt ist, oft auf eine deutsche Tradition zurückgeführt wird. In Deutschland dagegen ist die Weihnachtsgurke nahezu unbekannt. Dabei ist diese Theorie nicht einmal komplett ohne Hand und Fuß.
Denn die Weihnachtsgurke könnte tatsächlich mit der Einführung der deutschen gläsernen Christbaumkugeln in den US-amerikanischen Markt in die Staaten gekommen sein. Zumindest verkaufte ein deutscher Hersteller im frühen 20. Jahrhundert unter anderem eine gläserne Gewürzgurke. Der Grund ist allerdings unbekannt. Vielleicht war es nur ein Marketing-Gag oder die Weihnachtsgurke ist tatsächlich ein Teil deutscher Lokalkultur, die bis zu ihrer Ausbreitung in den USA in Vergessenheit geraten war.
Wie wenig der Brauch hierzulande verankert ist, zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov: Rund 91 Prozent der befragten Deutschen gaben an, noch nie von der Weihnachtsgurke gehört zu haben. In den USA dagegen gilt die „Christmas Pickle“ vielen als typisch altdeutscher Brauch, den man gerne übernommen hat. Erst in den letzten Jahren taucht die gläserne Gurke auch auf deutschen Weihnachtsmärkten und in Dekogeschäften wieder häufiger auf, ein kleiner deutsch-amerikanischer Reimport.
Gemütlich am Baum
Lebkuchen Weihnachtspullover Damen
Genau das Richtige zum Schmücken des Weihnachtsbaums und für die Gurkensuche danach, kuschelig weich, festlich gemustert und warm genug für lange Abende auf dem Sofa.
Die handfesteste aller Theorien führt nach Thüringen, genauer gesagt in das kleine Glasbläserdorf Lauscha. Dort entstand im 19. Jahrhundert der mundgeblasene Christbaumschmuck, wie wir ihn heute kennen. Der Legende nach hatte ein Glasbläser kein Geld für Nüsse, Äpfel und Süßigkeiten, mit denen man die Bäume damals schmückte, und blies seinen Kindern stattdessen Kugeln, Sterne, Zapfen und eben Gurken aus Glas. Damit legte er, ohne es zu ahnen, den Grundstein für eine ganze Industrie. Um 1880 soll in Lauscha die erste gläserne „Christmas Pickle“ entstanden sein, und bis heute wird der Schmuck dort in Handarbeit gefertigt.
Eine andere, ebenfalls bodenständige Erklärung kommt aus dem Spreewald, wo seit jeher Gurken angebaut, eingelegt und verspeist werden. Reich wurden die Gurkenbauern damit nicht. Im Gegenteil: Viele Familien sollen so arm gewesen sein, dass sie sich gar keinen anderen Christbaumschmuck als ihre eigenen Gurken leisten konnten. Wanderten diese Familien später nach Amerika aus und kamen zu Wohlstand, hängten sie als Andenken an die alten Zeiten weiterhin Gurken in den Baum. Nicht ohne Grund taucht der Spreewald bis heute immer wieder im Zusammenhang mit der Weihnachtsgurke auf.
Die Legende vom Soldaten John C. Lower
Ein anderer Erklärungsansatz führt etwas weiter in die Vergangenheit. Und zwar in die Jahre des amerikanischen Bürgerkriegs. Der Legende nach - und ja, mehr als eine Legende wird diese Theorie wohl nicht sein – steht die Entstehung mit dem Soldaten John C. Lower in Verbindung.
Wikipedia und dem ARD zufolge bettelte der bayerisch-stämmige Nordstaatler in Kriegsgefangenschaft eine Wache an ihm eine Gewürzgurke zu überlassen. Der Wunsch wurde ihm erfüllt und das Gürkchen rettete ihn der Legende nach vor dem Hungertod. Das soll ihn wiederum dazu veranlasst haben jedes Jahr zu Weihnachten eine Gewürzgurke in den heimischen Weihnachtsbaum zu hängen.
Die Sage vom Heiligen Nikolaus
Noch düsterer und um einiges älter ist eine mittelalterliche Erzählung, die ebenfalls eine Gurke ins Spiel bringt. Drei spanische Jungen sollen demnach in einer Herberge gerastet haben, wo ein finsterer Wirt sie ausraubte, umbrachte und ihre Leichen in ein Gurkenfass stopfte. Zufällig war der Heilige Nikolaus von Myra zugegen, bemerkte die Toten im Fass und erweckte sie wieder zum Leben. Zum Gedenken an dieses Wunder werde seither eine Gurke in den Weihnachtsbaum gehängt, so die Legende. Historiker halten diese Geschichte allerdings für eine später ausgeschmückte Adaption und nicht für die wahre Wurzel des Brauchs.
Frank Woolworth und die Marketing-Theorie
Die wohl nüchternste, aber vielleicht wahrscheinlichste Erklärung hat mit gutem Geschäftssinn zu tun. Im 19. Jahrhundert entdeckte Frank Winfield Woolworth, Gründer der gleichnamigen US-amerikanischen Kaufhauskette, bei einem Thüringer Glasbläser kunstvolle Figuren in Form von Nüssen, Früchten und Gurken. Er erkannte die Marktlücke und importierte den gläsernen Baumschmuck ab 1880 in großem Stil in die USA. Um den Verkauf anzukurbeln, soll er die rührselige Geschichte von der „alten deutschen Tradition“ gleich miterfunden haben. Der Erfolg war riesig, und so wurde aus einem Verkaufsargument womöglich ein echter Brauch.
Warum hängen Amerikaner eine Gewürzgurke in ihre Weihnachtsbäume?
Ob du den Theorien Glauben zu ihrem Ursprung schenken wirst, liegt an dir. Der Brauch der Gurke besteht allerdings bis heute. Mittlerweile handelt es sich bei der Weihnachtsgurke ausschließlich um ein Glasbläsereiprodukt.
Unumstritten ist, zu welchem Zweck das Gürkchen im Weihnachtsbaum hängt.
Die Weihnachtsgurke wird von jemandem im Weihnachtsbaum versteckt.
Der Finder der Gurke verdient sich ein zusätzliches Geschenk.
Das klingt zwar leicht, doch kann die Gurke sehr schwer zu finden sein, weil sie erstens den gleichen Farbton wie der Weihnachtsbaum trägt und dazu noch in verschiedenen Größen gekauft werden kann. Eine winzige Glasgurke in einer zwei Meter großen Nordmanntanne zu finden, kann also doch eine ziemliche Herausforderung sein.
So funktioniert „Hide the Pickle“
In den USA hat das Ganze sogar einen Namen: „Hide the Pickle“. Die Spielregeln sind schnell erklärt, und genau deshalb taugt der Brauch so gut für die ganze Familie.
Ein Elternteil versteckt die grüne Glasgurke heimlich zwischen den Zweigen, während die Kinder kurz aus dem Zimmer sind.
Vor der Bescherung suchen die Kinder den Baum ab, dürfen ihn dabei aber nicht berühren, nur mit den Augen wird gesucht.
Wer die Gurke zuerst entdeckt, darf das erste Geschenk auspacken oder die Reihenfolge der Bescherung bestimmen.
Oft gibt es obendrauf ein kleines Extra-Geschenk, und dem Finder wird besonders viel Glück im kommenden Jahr nachgesagt.
So löst die Gurke ganz nebenbei auch die ewige Diskussion, wer denn nun zuerst auspacken darf.
Berrien Springs: die „Christmas Pickle Capital“
Wie ernst es die Amerikaner mit dem Brauch nehmen, zeigt das Städtchen Berrien Springs im US-Bundesstaat Michigan. Es hat sich selbst zur „Weihnachtsgurken-Hauptstadt“ ernannt und feiert seit den 1990er-Jahren ein eigenes Gurkenfest samt Parade. Was als bayerisch-thüringische Glasbläser-Idee begonnen haben mag, ist dort längst zu einem festen Bestandteil des amerikanischen Weihnachtskalenders geworden.
Wie eine gläserne Weihnachtsgurke entsteht
Die kuriose Form täuscht über echtes Kunsthandwerk hinweg. Eine mundgeblasene Weihnachtsgurke entsteht in mehreren Schritten: Zunächst wird der Glasrohling langsam erwärmt, damit die Spannung im Material sinkt und das Glas beim Aufblasen nicht zerspringt. Anschließend erhitzt der Glasbläser das Glasrohr in der Flamme eines Brenners auf rund 800 Grad und bläst es unter ständigem, gleichmäßigem Drehen vorsichtig in Form. Erst danach erhält die Gurke ihren typischen Glanz und ihre grüne Farbe. Historisch sorgten dafür Legierungen aus Zinn und Blei, was für die Glasbläser ein erhebliches Gesundheitsrisiko bedeutete; später übernahm Silbernitrat diese Aufgabe.
Wo bekommt man eine Weihnachtsgurke und was kostet sie?
Heute musst du für eine Weihnachtsgurke nicht mehr über den Atlantik reisen. Auf Weihnachtsmärkten, in Dekogeschäften und online findest du sie in vielen Formen, Größen und Grüntönen, von schlicht bis herrlich kitschig. Besonders beliebt sind Varianten mit kleiner Weihnachtsmütze oder reichlich Glitzer; daneben gibt es auch handgefertigte Modelle aus Holz, von denen jedes ein Unikat ist. Einfache mundgeblasene Glasgurken sind bereits ab etwa vier Euro zu haben, nach oben sind der Sammelleidenschaft keine Grenzen gesetzt. Wer den Schwierigkeitsgrad der Suche an das Alter der Kinder anpassen möchte, greift einfach zu einer kleineren oder größeren Gurke.
Warum du auch eine Weihnachtsgurke brauchst
Der Fakt, das ihre Herkunft nicht schlüssig erklärt werden kann, ist eigentlich schon Grund genug sie in dein Weihnachtsfest einzuführen. Schließlich fügt sie sich dadurch nahtlos in die lange Reihe angeblicher europäischer Weihnachtstraditionen ein, die ich oben bereits erwähnt habe.
Außerdem gibt es noch einen sehr praktischen Grund: den Nervenkitzel. Gerade in der oft hektischen Vorweihnachtszeit ist diese Art von Tradition eine willkommene Abwechslung in weihnachtlichen Wohnzimmern. Während du dich in deinen Weihnachtspullover hüllst und es dir auf dem Sofa gemütlich machst, kannst du deinen Kindern dabei zusehen, wie sie eifrig in Aussicht auf ein weiteres Geschenk den Weihnachtsbaum nach diesem winzigen Gürkchen absuchen.
Dieses winzige Gürkchen ist Stresslöser, Entertainer und Weihnachtsmann zugleich. Also lass mich dich noch einmal fragen: Warum solltest du diese ungewöhnliche Gurke nicht brauchen?
Gurke am weihnachtsbaum – kurz zusammengefasst
Die Weihnachtsgurke ist ein in den USA beliebter Brauch.
In Deutschland ist die Weihnachtsgurke nahezu unbekannt.
Ein deutscher Hersteller verkaufte im frühen 20. Jahrhundert gläserne Gewürzgurken.
Der Finder der versteckten Glasgurke erhält ein zusätzliches Geschenk.
Die grüne Glasgurke ist schwer im Weihnachtsbaum zu finden.
Häufige Fragen zu Gurke am Weihnachtsbaum: Bedeutung und Geschichte des kuriosen Brauchs
Die Weihnachtsgurke ist ein vor allem in den USA beliebter Brauch, bei dem eine gläserne Gurke im Weihnachtsbaum versteckt wird. Der Finder der versteckten Gurke erhält ein zusätzliches Geschenk. Die grüne Glasgurke ist schwer zu finden, da sie den gleichen Farbton wie der Weihnachtsbaum trägt und in verschiedenen Größen erhältlich ist.
Der in den USA beliebte Brauch wird oft auf eine deutsche Tradition zurückgeführt, ist in Deutschland aber nahezu unbekannt. Ein deutscher Hersteller verkaufte im frühen 20. Jahrhundert tatsächlich gläserne Gewürzgurken in die USA. Ob es sich um einen Marketing-Gag handelte oder eine vergessene deutsche Lokalkultur war, ist bis heute ungeklärt.
Der Legende nach bat der bayerisch-stämmige Nordstaatler John C. Lower während des amerikanischen Bürgerkriegs in Kriegsgefangenschaft eine Wache um eine Gewürzgurke. Diese rettete ihn angeblich vor dem Hungertod. Aus Dankbarkeit soll er danach jedes Jahr zu Weihnachten eine Gewürzgurke in seinen Weihnachtsbaum gehängt haben.
Verbreitet ist der Brauch vor allem in den USA, wo die gläserne Gurke als „Christmas Pickle“ bekannt ist und zum Spiel „Hide the Pickle“ gehört. In Deutschland ist die Weihnachtsgurke trotz ihres angeblich deutschen Ursprungs kaum verbreitet. Eine YouGov-Umfrage ergab, dass rund 91 Prozent der Deutschen noch nie von dem Brauch gehört hatten. Inzwischen taucht die Glasgurke aber auch hierzulande wieder häufiger auf Weihnachtsmärkten und in Dekogeschäften auf.
Die kunstvollen Glasgurken stammen traditionell aus dem thüringischen Lauscha, der Wiege des mundgeblasenen Christbaumschmucks. Bereits im 19. Jahrhundert blies man dort Figuren in Form von Nüssen, Früchten und eben Gurken. Über den Kaufhausgründer Frank Winfield Woolworth gelangte dieser Glasschmuck ab 1880 in die USA. Bis heute werden mundgeblasene Weihnachtsgurken in Lauscha gefertigt; einfache Modelle gibt es ab wenigen Euro.
Wer die im Baum versteckte Gurke am Heiligabend als Erster entdeckt, darf der Tradition nach das erste Geschenk auspacken oder die Reihenfolge der Bescherung bestimmen. Oft gibt es zusätzlich ein kleines Extra-Geschenk. Außerdem soll der glückliche Finder im kommenden Jahr besonders viel Glück haben. Wichtig ist nur eine Regel: Beim Suchen darf der Weihnachtsbaum nicht berührt werden.